|
PiT ist ein ergotherapeutisches Konzept für Prävention und integrative Therapie von Kindern und Erwachsenen mit verschiedensten Auffälligkeiten und Störungsbildern.
Das PiT-Konzept in unserer Praxis untergliedert sich in 4 Ansatzebenen:
- Prävention und Gesundheitsförderung
- Therapie
- Eltern- und Angehörigenarbeit
- Interdisziplinäre Abstimmung
Prävention und Gesundheitsförderung beinhaltet allgemeine Trainingsmaßnahmen für
als vorbeugende, unterstützende oder, nach Abschluss der Therapie, als ergänzende Maßnahme. Präventive und gesundheitsfördernde Maßnahmen können eine notwendige Therapie nicht ersetzen.
Therapie beinhaltet individuelle, spezifische Maßnahmen für Erwachsene und Kinder, die in ihren alltäglichen Fähigkeiten so eingeschränkt oder von Einschränkung bedroht sind, dass sie bedeutungsvolle Betätigungen in ihrer altersspezifischen Umwelt nicht sinnvoll ausführen können.
Eltern- und Angehörigenarbeit beinhaltet eine allgemeine und spezifische Schulung und Aufklärung der Eltern und/oder Angehörigen in Fragen der Eltern- und Angehörigenrolle, um ein positives heilklimatisches Umfeld zu gestalten.
Interdisziplinäre Abstimmung beinhaltet, dass alle, die auf den Patienten Einfluss nehmen, gemeinsam und in gegenseitiger Abstimmung Verantwortung für die weitere Vorgehensweise übernehmen.
Die Grundlagen
1. Das PiT-Konzept bei Kindern folgt dem Prinzip der „essentiellen Grenzsteine“.
Dieser Vorstellung liegt der Gedanke zugrunde, einen Zeitpunkt für das Erlernen einer bestimmten Fähigkeit anzugeben, zu dem etwa 90 95% der gesunden Kinder diese spätestens erworben haben.
Das Entwicklungsmodell:
- Kinder entwickeln sich unterschiedlich. Sie zeigen eine interindividuelle und intraindividuelle Variabilität in ihrer Entwicklung.
- Bei Entwicklungsstörungen ist nicht sofort das gesamte System der Entwicklung gefährdet. Eine Entwicklungsschiene kann in einem gewissen Rahmen Störfaktoren ausgleichen und anpassen. Therapeutische Maßnahmen unterstützen und fördern dann die adaptiven Prozesse des Organismus auf der jeweiligen Entwicklungsstufe.
Die Entwicklungsschiene:
- Körpermotorik
- Handmotorik
- Kognitive Entwicklung
- Spracherwerb
- Sozialisationsentwicklung
- Selbständigkeitsentwicklung
Erste Auffälligkeiten in einem dieser Bereiche können ein Anzeichen dafür sein, dass es dem betreffenden Kind erschwert ist, die Entwicklungsangebote im Alltag oder die Lernangebote im Kindergarten oder in der Schule ausreichend für seine Entwicklung zu nutzen.
Hat ein Kind Schwierigkeiten die Entwicklungs- und Lernangebote sinnvoll zu nutzen, müssen die Ursachen dort gesucht werden, wo sich das Fundament dieser Fähigkeiten angesiedelt hat. Werden Schwächen in den Teilleistungsfunktionen nicht erkannt, kann es in der Folge zu Lern-, Verhaltens- und Erziehungsproblemen kommen.
Teilleistungen sind grundlegende Fähigkeiten, welche sich im Laufe der Entwicklung ausbilden und sich in der Entwicklung als Gesamtleistung zusammenfügen. Teilleistungen sind das Fundament für Fähigkeiten wie Rechnen, Schreiben und Lesen, jedoch auch für das situationsgerechte Verhalten im Alltag.
2. Das PiT-Konzept bei Erwachsenen nimmt in verschiedenen Bezügen und auf unterschiedlichen Ebenen Einfluss auf den Patienten und seine Umwelt. Unser Handeln ist ein ganzheitlicher Ansatz der nicht nur von Therapiemethoden geprägt ist, sondern in vielfältiger Art auch vom einem humanistischen Menschenbild. In diesem Verständnis ist für uns die Wechselbeziehung des Patienten zu seiner Umwelt ein wesentlicher Baustein für das Erstellen eines Therapieplans. Wir gehen davon aus, dass dem Menschen ein Grundbedürfnis nach Betätigung innewohnt und er bestrebt ist, die für ihn bedeutungsvollen Betätigungen auch auszuführen. Daher ist das Ziel unserer Bemühungen, dem Patienten eine größtmögliche Eigenständigkeit bei der Teilhabe an den für ihn bedeutungsvollen Betätigungen in den Bereichen Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit zu ermöglichen
Bedeutungsvolle Betätigungen:
Der Bereich Selbstversorgung beinhaltet u.a. Tätigkeiten wie Hygieneverrichtungen, An- und Auskleiden, das Einnehmen von Mahlzeiten, Mobilität sowie das Erledigen persönlicher Angelegenheiten.
Die Produktivität umfasst zweckgebundene Betätigungen zu Hause oder an der Arbeitsstelle, die den eigenen Lebensunterhalt sichern oder einen Beitrag für andere Personen leisten.
Der Bereich Freizeit umfasst die Betätigungen, die nicht verpflichtend sind und außerhalb von Produktivität und Selbstversorgung liegen. Das Hauptziel ist dabei die eigene Entspannung und Freude bei der Durchführung.
Eine Balance zwischen den Betätigungsbereichen Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit ist aus unserer Sicht langfristig in Bezug auf Wohlbefinden und Gesundheit wesentlich. (vgl. Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V. 2004)
Ergotherapeutische Prävention und Gesundheitsförderung
Bis vor wenigen Jahren lag die Beseitigung von Störungen bzw. die Minderung von Defiziten und Einschränkungen im Zentrum ergotherapeutischer Handlungsansätze. Es galt, bereits aufgetretene Störungen zu beheben oder Einschränkungen zu kompensieren. Dies führte mitunter zu ständig steigenden Kosten im Gesundheitswesen. Die Kosten der Therapie haben inzwischen eine Größenordnung angenommen, welche von der Solidargemeinschaft so nicht mehr zu finanzieren ist. Nur durch eine Veränderung des traditionellen Denkschematas können wir die gewaltige gesellschaftliche Herausforderung, unseren Kindern und Senioren ein ausreichendes Angebot für eine angemessene Lebensqualität bereitzustellen, annehmen.
Somit war es für die Ergotherapie höchste Zeit, sich mit dem Thema Prävention und Gesundheitsförderung auseinanderzusetzen. (vgl. Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V. 2006)
Dieser Ansatz wird vor allem im Seniorenbereich immer wichtiger. Mit zunehmendem Lebensalter erhöht sich das Risiko, dass Fähigkeiten zur Bewältigung von Alltagsanforderungen Einschränkungen unterliegen. (vgl. W. D. Oswald / T. Gunzelmann 2001)
Vor diesem Hindergrund drängte sich für uns die Frage auf, wie wir unser Präventions- und Gesundheitsförderungsangebot erweitern könnten. Seit Jahren bieten wir gut besuchte Vorträge zu Themen rund um die Entwicklung an. Viele Eltern gaben uns die Rückmeldung, dass diese Vorträge hilfreich für die Erziehung ihrer Kinder seien. Dieses Angebot haben wir im Herbst 2006 erweitert und mit unserer integrativen Therapie nach M. Frostig zu einem Gesamtkonzept, unserem PiT, verschmolzen. Ab Frühjahr 2008 erweitern wir unser Angebot mit einer Kursreihe für Senioren. Durch die Erweiterung unserer Präventions- und Gesundheitsförderungsangebote wollen wir unseren Beitrag in der Versorgung entwicklungsbedrohter Kinder und altersbedingter Einschränkungen bei Senioren dahingehend weiterentwickeln, dass Prävention und Therapie gleichrangig nebeneinander stehen.
|
Das Ziel von PiT ist, Kindern und Senioren die Teilhabe an den für sie bedeutsamen Betätigungen zu ermöglichen, zu erleichtern und sie dabei zu unterstützen, neue Betätigungsmöglichkeiten zu erkunden und auszubauen. Betätigungen, die den Kindern und Senioren ermöglichen, sich Umweltanforderungen anzupassen und gestaltend auf sie einzuwirken, haben das Potenzial, Gesundheit und Wohlbefinden zu fördern.
|
|